Mehr als 35 Jahre nach dem Sturz des Diktators Somoza leben mehr als 60 % der 6,1 Millionen Einwohner Nicaraguas in extremer Armut. Mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos oder unterbeschäftigt. Die Analphabetenquote, die sich nach der Revolution auf 11 % reduziert hatte, beträgt wieder 32 %.

Die Volkswirtschaft stand 2017 kaum besser da als nach der Abwahl der Sandinisten vor über 25 Jahren. Der Bürgerkrieg gegen die von den USA finanzierten "Contras" und eine chaotische Wirtschaftspolitik haben das Land zu einem internationalen Sozialfall gemacht. Nach Haiti ist Nicaragua das zweitärmste Land in Mittelamerika. Eine rückständige Wirtschaftsstruktur, enorme Auslandsschulden, Naturkatastrophen wie der Wirbelsturm "Mitch" und vor allem korrupte Präsidenten haben bislang eine Wende zum Besseren verhindert. Aktuell gibt vor allem die Entwicklung im Bereich Tourismus Anlass zu etwas Hoffnung.

Von Sandino zu Alemán

  • 1932: Eine von General Augusto C. Sandino angeführte Guerilla-Armee vertreibt nach 20 Jahren die Besatzungstruppen der USA.
  • 1934: Sandino wird von Anastasio Somoza, dem Kommandanten der Nationalgarde, ermordet. Zwei Jahre später putscht Somoza gegen Präsident Sacasa, seinen Schwiegervater, und errichtet eine Diktatur.
  • 1962: Eine Gruppe von linken Intellektuellen gründet die Sandinistische Front für die nationale Befreiung (FSLN). Sie beruft sich auf den Nationalhelden Sandino.
  • 1978: Ein sandinistisches Kommando stürmt den Nationalpalast und presst Gefangene frei.
  • 1979: Nach der Flucht von Diktator Anastasio Somoza, dem Sohn des Putschisten von 1934, übernimmt eine Revolutionsjunta die Macht.
  • 1983: Furcht vor einer direkten militärischen Intervention der USA. Die autonome Linke aus Europa und den USA schickt zivile Arbeitsbrigaden nach Nicaragua, um die sandinistische Revolution zu verteidigen.
  • 1984: Der Sandinist Daniel Ortega wird zum Präsidenten gewählt. Die USA verweigern ihm die Anerkennung und verhängen ein Wirtschaftsembargo. Die Überfälle der vom Ausland finanzierten rechtsgerichteten Contras weiten sich aus.
  • 1990: Ortega verliert die Präsidentschaftswahlen gegen die Verlegerwitwe Violeta Chamorro von der Oppositionsallianz Uno.
  • 1996: Der Liberale Arnoldo Alemán wird Präsident. Er veruntreut über 100 Millionen US-Dollar.
  • 2002: Präsident Enrique Bolaños lässt Alemán vor Gericht stellen. Dieser wird zu 20 Jahren Haft verurteilt.
  • 2006: Daniel Ortega wird erneut zum Präsidenten gewählt und ist seit dem 10. Januar 2007 rechtmäßiger Präsident von Nicaragua.
  • 2016: Daniel Ortega wird zum wiederholten Mal „wiedergewählt“ (Wahlbeteiligung 30%)
  • 2017: Nicaragua tritt als eines der drei letzten Länder dem Pariser Klimaschutzabkommen bei.